INTERVIEW

«Starke Autor:innen-Handschriften haben uns immer interessiert.»

Lixi Frank hat 2018 gemeinsam mit David Bohun die Wiener Panama Film gegründet, die sich schnell als wesentlicher Player im österreichischen Arthouse-Film etabliert hat. Seit Sandra Wollners The Trouble with Being Born sind Filme “produced by Panama” kontinuierlich in den Line-ups der renommierten Arthouse-Filmfestivals vertreten. Lixi Franks Präsenz bei Producers on the Move 2026 trifft sich mit den Cannes-Weltpremieren von zwei von Panama Film (ko)produzierten Arbeiten:  EVERYTIME und DAS GETRÄUMTE ABENTEUER.


Mit welchem aktuellen Projekt werden Sie in Cannes bei PRODUCERS ON THE MOVE Ihre europäischen Kolleg:innen treffen?
 
LIXI FRANK:
Unser „Hauptfilm“ in Cannes ist EVERYTIME von Sandra Wollner, der in Un Certain Regard laufen wird. Es ist eine 50:50 österreichisch-deutsche Koproduktion zwischen Panama Film und The Barricades, die auch schon Koproduktionspartner bei The Trouble With Being Born waren und bei Tim Krögers Die Theorie von allem (2023) war Panama Film der minoritäre Koproduktionspartner. Es ist also eine langjährig gewachsene Zusammenarbeit. Es freut mich außerordentlich, mit Sandra gemeinsam diesen nächsten Schritt zu tun – es ist ja ihr erster voll finanzierter Spielfilm –, der gleich in Cannes seine Weltpremiere feiert. Unser zweiter Film in Cannes ist DAS GETRÄUMTE ABENTEUER von Valeska Grisebach, ein Projekt, in das wir relativ spät als minoritäre Koproduzent:innen eingestiegen sind. Auch das geht auf eine lange bestehende Verbindung zurück: Luise Hauschild von New Matter Films, ebenfalls ein Koproduktionspartner, hat 2022 den dffb-Abschlussfilm Alle reden übers Wetter von Annika Pinske produziert, den ich auch als meinen Abschlussfilm an der Filmakademie Wien koproduziert habe. Sie hat uns für DAS GETRÄUMTE ABENTEUER an Bord geholt. Wir waren große Fans von Valeskas letztem Film Western und sind eingestiegen, um die fehlenden 10% in der Finanzierung aus Österreich beizusteuern. 
 
 
Sandra Wollner steht mit The Trouble with Being Born (2020) für den ersten großen Erfolg der Panama Film und vielleicht auch am stärksten für die Panama-Handschrift. Wie haben Sie diese Künstlerin entdeckt? 
 
LIXI FRANK:
Es hat mit einer eher zufälligen Begegnung begonnen. Sandra war für ihren Abschlussfilm The Trouble with Being Born bereits mit drei Produzentinnen, Astrid Schäfer, Viktoria Stolpe und Andi G Hess, verbunden und sie suchten zur Abwicklung nach einer Produktionsfirma in Österreich. Wir haben Sandras ersten Langfilm Das unmögliche Bild gesehen und waren sofort vom Film und dem darauffolgenden Q&A mit ihr beeindruckt. Ihre Gedanken zum Film waren so intelligent, so einzigartig und – on top – ist Sandra eine sehr charismatische Person. David und ich wollten genau zu dieser Zeit die Firma gründen und es hat sich mit The Trouble with Being Born einfach perfekt gefügt. Im Prozess sind wir dann von der Rolle der ausführenden Produktion in die der Hauptproduzent:innen hineingewachsen. Nach dem Dreh und dem Schnitt war es für uns klar, dass wir mit Sandra unbedingt weiterarbeiten wollten. Sandra besitzt eine einzigartige künstlerische Handschrift, die sich so stimmig mit der menschlichen Ebene paart. Ich habe seitens Sandra eine Vertrauensbasis gespürt und wir haben ganz bald begonnen, über den nächsten Stoff, EVERYTIME, zu sprechen. 
 
 
Worin lagen für Sie als Produzentin die Besonderheiten in der Produktion von EVERYTIME?
 
LIXI FRANK:
Nach Die Theorie von allem, in der wir minoritäre Partner einer trilateralen Koproduktion waren, war EVERYTIME der nächste Schritt: Eine österreichisch/deutsche 50:50-Produktion, mit einem Budget von 3,4 Millionen Euro inklusive Eurimages Förderung. Die größte Herausforderung waren die beiden Drehblöcke in Berlin bzw. Wien und später auf Teneriffa mit einem Kind. Und es gab eine Challenge, die mit dem Ende des Films zu tun hat: nämlich eine lange Sonnenuntergangs-Sequenz über mehrere Tage zu drehen. Wir hatten auf Teneriffa einen tollen Service-Produzenten, der verstanden hat, mit einem überschaubaren Budget sehr viel möglich zu machen.
Mit Sandra zu arbeiten ist etwas Besonderes und es war schön, an unseren ersten gemeinsamen Film anzuknüpfen. Es gab sehr bald ein erstes Treatment und ich weiß noch genau, wie begeistert ich davon war. Sandra versteht es wie keine andere, schon im Treatment eine spezielle Atmosphäre spürbar zu machen und Szenen zu entwickeln, in denen Traum und Realität auf einer geisterhaften Ebene verschmelzen. Danach haben wir oft stundenlang telefoniert, sie hat mir meist nur von ihren Gedanken erzählt. Ich genieße den Austausch sehr, höre viel zu, stelle Fragen. Ich habe das Gefühl, so näher an Sandras Vision dran zu sein und zu wissen, was ihr in der Umsetzung wichtig ist. 
 
 
Wirft man einen Blick auf Ihren Werdegang, erfährt man, dass Sie vor dem Produktionsstudium an der Filmakademie auch Theater-, Film- und Medienwissenschaften und auch Publizistik studiert haben. Hat Ihr Zugang zum Medium Film über die Theorie begonnen? 
 
LIXI FRANK:
Jein. Ich würde sagen, es war eher ein Hineinwachsen. Ich hatte sehr viele Interessensgebiete zu Studienbeginn und war noch unentschieden. Zunächst hatte ich Architektur begonnen und gleich wieder aufgehört. Dann war – eher aus Zufall – für Theater- Film und Medienwissenschaft noch die Inskriptionsfrist offen. Film hatte mich immer interessiert, zu Theater hatte ich weniger Bezug, aber genau das hatte einen Reiz; Medien und Journalismus waren immer in der engeren Wahl. Ich fand das Studium sehr interessant, fühlte mich aber mit den theoretischen Arbeiten nicht so in meinem Element. Publizistik habe ich mit einem TV-Schwerpunkt im Bachelor abgeschlossen. Dort hatte ich schon Berührung mit dokumentarischen Formaten, ich hatte zum Beispiel Unterricht bei Sabine Derflinger. Gleichzeitig habe ich öfter auf Filmakademie Sets ausgeholfen, weil mein Mann Schnitt studiert hat. Ich dachte aber lange Zeit, dass ich eher in Richtung Kulturmanagement gehe, bis ich irgendwann realisiert habe, dass Filmproduktion eigentlich viele meine Interessen und Stärken vereint. Durch meine Matura an der Handelsakademie hatte ich auch nie Berührungsängste mit der wirtschaftlichen Seite der Filmproduktion. Schlussendlich habe ich mich dann dazu entschieden, mich für Produktion an der Filmakademie zu bewerben.

 
Worin sehen Sie die Stärken, die es in der Filmproduktion besonders braucht?
 
LIXI FRANK:
Es braucht ein gewisses Maß an organisatorischem Denken, eine starke kommunikative Ebene, Freude im Austausch mit Kreativen sowie eine Offenheit, weil wir uns mit jedem Projekt in ein neues Themengebiet einarbeiten. Und man muss sich wohl damit fühlen, Verantwortung zu übernehmen. 
 
 
Ihr erster Langfilm, den Sie noch vor der Gründung der Panama Film produziert haben, war Kurdwin Ayubs Debüt Paradies! Paradies!. Wenn man dazu noch Sandra Wollner und bluish von Lilith Kraxner und Milena Czernovsky in Betracht zieht, dann stehen da starke Ausdrucksweisen von Filmemacherinnen im Vordergrund. Setzen Sie hier bewusst einen Fokus?
 
LIXI FRANK:
Definitiv. In Publizistik hatte ich mich neben TV auch in feministischer (Medien-)theorie spezialisiert. Ich habe meine Diplomarbeit in Theater-, Film- und Medienwissenschaft über Frauen in der Filmbranche geschrieben und dafür in der Filmförderung analysiert, ob es einen Gap zwischen Antragsvolumen und Zusagen gibt und zusätzlich Interviews geführt. In dieser Recherche habe ich schon mal festgestellt, dass es damals nur wenige österreichische Produzentinnen gab. Als Produzent:innen haben wir eine Gatekeeper-Funktion, indem wir entscheiden, welche Stoffe überhaupt eingereicht werden. Die Produktionsfirma ist also die erste Barriere. Und wenn es keine Frauen in der Produktion gibt, dann besteht hier schon die erste Hürde. Ich hatte also einen geschärften Blick und achte immer auf eine gewisse Balance. Aber Vieles hat sich sehr natürlich ergeben, weil viele Regisseurinnen niederschwellig auf mich zukommen. 
 
 
War es mit dem Studienabschluss klar, dass Sie gleich eine eigene Firma gründen wollten?
 
LIXI FRANK:
Gegen Ende des Studiums habe ich mit Rudi Takacs Paradies! Paradies! produziert, dann aber ein Angebot von der Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion bekommen, weil Katharina Posch gerade in Karenz gegangen war. Für mich bot es eine ideale Gelegenheit, vor der eigenen Firmengründung praktische Erfahrungen zu sammeln. Die eineinhalb Jahre bei Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion waren sehr intensiv mit zwei Spielfilmen –  L’ Animale von Katharina Mückstein, Licht von Barbara Albert – und zwei Dokumentarfilmen – Homo Sapiens von Nikolaus Geyrhalter und Future Baby von Maria Arlamovsky. Ich habe vier völlig unterschiedliche Filme in unterschiedlichen Phasen betreut. Mit Homo Sapiens gab es gleich mal eine Premiere bei der Berlinale, dann noch zwei Drehs, Postproduktion … Es war eine sehr lehrreiche Zeit. Ich bin ein großer Fan von Michael Kitzberger, von Wolfgang Widerhofer habe ich viel in Bezug auf Feedback-Geben und Dramaturgie mitgenommen. Ich fühle mich dieser Firma nach wie vor sehr verbunden, schätze ihre Haltung und die Menschen, die dort tätig sind, mit Katharina Posch tausche ich mich regelmäßig auch privat aus. Als sie aus der Karenz zurückkam, stand ich vor der Frage, wie es weitergehen würde, ich hatte mehrere Optionen. Und da ergab sich erneut eine glückliche Fügung, dass David Bohun eine Firma gründen wollte. Mir war bewusst, wie klein die Strukturen in den österreichischen Produktionsfirmen sind. Es ist schwierig, wo anzudocken und sich doch einen eigenen Raum zu schaffen. Es war daher der ideale Zeitpunkt zu sagen, jetzt wage ich den Schritt. David und ich kannten uns gar nicht so gut. Im Nachhinein betrachtet war es der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt.
 
 
Was war Ihr erster großer Erfolg als Produzentin?
 
LIXI FRANK:
Das war zweifellos The Trouble With Being Born. Wir waren völlig unterm Radar: eine neu gegründete Firma, die Förderung hatten wir vom (damals) BKA bekommen, wo die Zusagen nicht sehr breit wahrgenommen werden, Sandra hat außerdem in Deutschland studiert. Und dann kamen wir mit dem Film raus, waren bei Berlinale Encounters und haben gleich einen großen Preis gewonnen. Und der Preisregen ging mit der Diagonale, der Romy und dem Österreichischen Filmpreis weiter für einen Film, den wir mit € 590.000 als Abschlussfilm produziert hatten.
 
 
Das Portfolio von Panama Film ist ohne Schwerpunkt im Genre: Es gibt Fiction, Dokumentarfilm, hybride Arbeiten. Kann man sagen, dass der Fokus vielmehr auf die individuelle künstlerische Handschrift gerichtet ist? 
 
LIXI FRANK:
Absolut. Starke Autor:innen-Handschriften haben uns immer interessiert und wir sind immer auch auf der Suche nach Persönlichkeiten mit einer ganz eigenen Stimme. Das hat sich bewährt. Wir haben es immer wieder geschafft, Talente zu finden oder sie haben uns schon länger begleitet wie z.B. Sebastian Brameshuber. David und ich kommen eher aus einem Dokumentar-Background, manche Regisseur:innen haben sich dann in Richtung hybrides Arbeiten entwickelt, wir wollten aber von Anfang an auch Spielfilme entwickeln. 
 
 
Die Rahmenbedingungen für den Arthouse-Film werden gerade nicht einfacher. Eine konsequent künstlerische Perspektive in den Vordergrund zu stellen und daran festzuhalten, ist gewiss nicht immer einfach?
 
LIXI FRANK:
EVERYTIME von Sandra Wollner war durch den Rückenwind von The Trouble With Being Born in Kombination mit Sandras Talent relativ schnell finanziert, aber sie stellt schon eher eine Ausnahme dar.
Obwohl wir es als Panama Film immer geschafft haben, unabhängig von den Budgetgrößen, aus jedem Projekt das Bestmögliche herauszuholen und die Arbeiten konsequent auf Festivals zu platzieren, bleibt es für jedes Projekt ein neuerlicher Kampf. Von außen sieht es sicher sehr erfolgreich und „leicht“ aus, aber auch wir haben letztes Jahr Höhen und Tiefen erlebt und in finanziellen und emotionalen Wechselbädern agieren müssen, was sehr an die Substanz geht. Die Unsicherheiten bei der Regierungsbildung nach der Wahl, der Wegfall des automatischen Fördertopfs ÖFI+, all das hat uns unsere Vulnerabilität offenbart, ausschließlich im Arthouse-Bereich zu arbeiten. Die Förderbudgets sind unter Druck, es wird weniger produziert und es kommt zu einer Art Verdichtung, die ich selbst eher kritisch betrachte. Ich glaube aber, dass die Festivalerfolge unserer Filme dem Umstand geschuldet sind, dass wir eine Freiheit hatten, etwas zu entwickeln, das nicht nur einem Markt gefolgt ist. Ich halte es für wichtig, einzigartige Stimmen zu fördern und auch eine gewisse Freiheit zu erhalten, denn niemand kann prognostizieren, was erfolgreich sein wird.
ÖFI+ brachte einfach auch uns einen großen Aufschwung, Projekte wie bluish haben genauso profitiert wie minoritäre Koproduktionen wie Das Geträumte Abenteuer. Für uns wären minoritäre Koproduktionen ein zweites Standbein gewesen, das wir uns aufbauen wollten, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch, weil es uns auch die Möglichkeit geboten hätte, mit tollen Regie-Persönlichkeiten zu arbeiten und unser Portfolio mit spannenden Namen zu erweitern. 
Es ist mir wichtig, das auch der Politik und der Branche nach Außen zu kommunizieren, weil die österreichischen Erfolge den Eindruck erwecken, dass eh alles super läuft. Die aktuelle Realität dahinter sieht leider ganz anders aus. Die Investment Obligation ist für uns ein unabdingbarer Baustein und wir hoffen sehr auf eine schnellstmögliche Umsetzung! Aber auch im Sinne von Producers on the Move: ein Land ohne Tax Credit und minoritären Koproduktions-Topf ist einfach nicht konkurrenzfähig. 
 
 
Vor drei Jahren war David Bohun, mit dem Sie gemeinsam die Panama Film führen, Producer on the Move.  Er hat damals schon erwähnt, dass in der Produzent:innen-Tätigkeit viel Kapazität in strukturelle Arbeit geht, dem kreativen Produzieren nicht immer so viel Raum bleibt, wie man gerne möchte. Lässt sich da eine Entwicklung ablesen?
 
LIXI FRANK:
Es könnte immer weniger administrative Arbeit sein. Wir arbeiten weiter daran, dass uns unsere Struktur die Freiheit für den kreativen Aspekt unserer Arbeit gibt. Wir wachsen ja in die Organisation der Struktur auch hinein. Es hat sich so viel getan in diesen letzten drei Jahren, seit David Producer on the Move war: Wir hatten eine Premiere in Venedig mit Die Theorie von allem, wir waren in Locarno mit White Snail, wo der Film den Spezialpreis der Jury und den Pardo für die Beste Performance gewonnen hat, wir waren dieses Jahr mit London bei der Berlinale und der Film hat den Hauptpreis bei Cinéma du Réel gewonnen. Außerdem habe ich ein Kind bekommen. Es war schon viel und sicherlich an der Grenze unserer Kapazität. Das größte Vergnügen in meiner Arbeit bereitet der Austausch mit der Regie – in der Drehbuchphase ebenso wie im Schnitt. Aber auch grundsätzlich im kontinuierlichen Prozess des Schärfens im Laufe des Projekts – jede Entscheidung kreiert ja den Film mit. Das Package zu schnüren macht den Reiz aus und ich mag auch den finanziellen Aspekt in Verbindung mit dem strategischen Denken. Das Schönste ist, gemeinsam mit der Regie etwas entstehen zu lassen. 
 
 
Sie haben vor kurzem einen ACE-Workshop beendet. Wie wichtig ist die kontinuierliche Weiterbildung und Vernetzung mit Produktionspartner:innen auf europäischer Ebene?
 
LIXI FRANK:
Enorm wichtig. Mit Autor:innen-Filmen, wie wir sie machen, ist es eine gewisse Normalität international zu denken. Nicht nur, weil man größere Budgets braucht, die nur grenzüberschreitend zustande kommen können. Aber die Förderbudgets sind überall unter Druck geraten. Wir sind auch deshalb gezwungen, internationaler zu denken. Das Netzwerk ist ein A&O, schlicht eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Man braucht Personen, denen man vertrauen kann. Weiterbildung ist sehr wichtig, weil es immer wieder den Schritt nach außen braucht. Einen Schritt weg vom Tun machen, die Perspektive wechseln, auf sich selbst, auf seine Arbeit von außen blicken. Ich habe es gerade bei ACE sehr genossen, mich kurz aus der Routine zu nehmen und über Fragen nachzudenken wie:  Was ist der Stoff unseres Projekts? Wie wird er von anderen wahrgenommen? Was will man mit der Firma? Wer ist man selber? Die Reflexion übers eigene Tun ist extrem bereichernd und absolut notwendig. Man bekommt Inputs, die einen begleiten und auch auf privater Ebene entstehen oft Freundschaften, die einen emotional stützen. Ich erinnere mich an ProPro, wo Linda Beath uns gelehrt hat, wie wichtig eine Fünf-Jahres-Plan ist. Das machen wir bis heute und ich glaube, dem ist es mitunter zu verdanken, dass wir hinsichtlich der Projekte so gute Entscheidungen getroffen haben. Denn wir versuchen uns immer zu fragen: Was brauchen wir? In welche Richtung wollen wir uns entwickeln? In den Workshops bekommt man Tools dafür. Man braucht beides: die Vision und das Handwerkliche. 
 
 
Erfolge in Berlin, Paris und Cannes. Nach den großen Festivals ist auch schon wieder vor den nächsten Festivals. Mit welchen Projekten geht es bei Panama Film weiter? 
 
LIXI FRANK:
Momentan ist der Fokus auf vier Projekte gerichtet: Auf Patric Chihas neuen Spielfilm Ice Cream, den wir gerade in Finanzierung haben. Es ist eine tolle Zusammenarbeit mit einem Regisseur, dessen Film Brüder der Nacht ich damals bei der Diagonale für mich entdeckt habe. Patric lebt ja in Paris, seine Filme sind immer französisch-österreichische Koproduktionen, weswegen ich mich wahnsinnig gefreut habe, dass er seinen nächsten Spielfilm wieder in Wien plant. Es ist ein Film über Liebe, Sexualität und die Suche nach der eigenen Identität, sehr im Stile von Patric mit einer Prise Teenage-Movie. 
Ein weiteres Projekt, an dem wir arbeiten ist Fanny lebt, der neue Film von Alexandra Makarová, die uns mit Perla unglaublich beeindruckt hat. Der Film ist 1946 angesiedelt und erzählt von Fanny, einer Jüdin in einem DP-Camp, in einer Zeit, die für uns noch kaum im Kino erzählt wurde. Außerdem arbeiten wir am Langfilmdebüt von Simon Kubiena Das Blühen einer Chimäre, das er über TalentLab entwickelt. Wir sind seit drei Jahren im Austausch über den Stoff und freuen uns, mit ihm und seinen Produzent:innen Elli Leeb und Fabian Leonhardt zusammenzuarbeiten, wir sind bei dem Projekt Senior Producer. 
Last but not least, drehen wir im Sommer den neuen Dokumentarfilm von Pavel Cuzuioc Außerhalb des Quadrats, der einen moldawischen Psychiater portraitiert. 
 
 
Worin bestehen Ihre Erwartungen an Producers on the Move?
 
LIXI FRANK:
Auf alle Fälle darin, unser Netzwerk zu erweitern. Es wird Treffen mit Weltvertrieben geben, mit ARTE, mit Streamern. Unsere Tätigkeit ist ein people’s business und es ist sehr wichtig, diesen Erstkontakt zu haben, um dann an etwas anknüpfen zu können. Wir bekommen durch starke PR-Maßnahmen eine tolle Unterstützung für unsere Sichtbarkeit. Und ich freue mich, wieder 20 Produzent:innen kennenzulernen. Das macht wieder 20 Möglichkeiten für eine Koproduktion. 


Interview: Karin Schiefer
April 2026


 





«Ich glaube aber, dass die Festivalerfolge unserer Filme dem Umstand geschuldet sind, dass wir eine Freiheit hatten, etwas zu entwickeln, das nicht nur einem Markt gefolgt ist. Ich halte es für wichtig, einzigartige Stimmen zu fördern und auch eine gewisse Freiheit zu erhalten, denn niemand kann prognostizieren, was erfolgreich sein wird.»